Suche mich in dir!

Palmsonntag

Predigtnotizen zum Palmsonntag

 

Lesungen:

 

Erste Lesung: Jesaja 50,4-7: Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen, und ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

 

Antwortgesang: Ps 22: – Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

Zweite Lesung: Phil 2,6-11: – Christus hat sich selbst erniedrigt; darum hat Gott ihn erhöht.

 

Evangelium: Mk 14, - 5, 47: – Passion.

 

1. Das Leid ist eine im Leben eines jeden Menschen und in der Welt gegenwärtige Tatsache. Symbol dafür ist das Kreuz. Angesichts dessen fragen wir uns oft: Warum?, und bekommen keine Antwort. Manchmal kommt es uns unverständlich vor, andere Male nehmen wir es mit Resignation oder auch fatalistisch an. Wir bedenken nicht, dass es oftmals nicht Gott ist, der uns die Kreuze schickt, sondern dass sie Frucht menschlicher Bosheit sind und überwunden werden könnten: die Kreuze der Marginalisierung, des Elends, der Ungerechtigkeit, der Vergewaltigung der Menschenrechte. In solchen Fällen müsste man die Ursachen bekämpfen. Es gibt auch das Kreuz in Form von Leid für die, die gegen das Leid ankämpfen. Schließlich gibt es den Schmerz der Unschuldigen, angesichts dessen wir verstummen und uns vor dem Geheimnis verneigen.

 

2. Die Passion Christi gibt uns eine Verstehenshilfe an die Hand und holt uns aus der Einbahnstraße heraus, in die wir uns hineinbegeben, wenn wir die Kreuze unseres Lebens verstehen und nur aus einer rein menschlichen Sichtweise deuten wollen. Jesus nahm das Leid auf sich, das ihn wegen der sich aus seiner Lehre ergebenden Konsequenzen nach Kalvaria gebracht hat, weil er die Achtung vor der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Liebe zueinander, und die Solidarität mit denen, die unter Elend und Unterdrückung litten, eingefordert hat. Darüber hinaus hat er durch seine Auferstehung gezeigt, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben, sondern Leben und Auferstehung. Zugleich macht uns Jesus deutlich, dass wir angesichts der Kreuze im Leben der anderen nicht gleichgültig bleiben dürfen, besonders dann nicht, wenn sie Folge menschlicher Bosheit sind. Dann gehen uns wie ihm Leid und Ungerechtigkeit in ihrer ganzen Schwere auf, aber auch der Ruf, im Rahmen unserer Möglichkeiten mitzuhelfen, dass sie geringer werden und verschwinden. Der Tod Jesu hat für alle Zeiten und zu allen Zeiten erlösende Kraft und lässt uns verstehen, wie der Weg durch Kreuz zum Licht geht.

 

3. Wir alle haben, jeder auf seine Weise, kleine oder große Kreuze zu tragen. Sie sind Wege, um als Menschen zu wachsen und zu reifen. Wer nicht gelitten hat, kann die, die zu leiden haben, nicht verstehen, noch sich mit ihnen solidarisieren. Anstatt nach dem Warum der Kreuze zu fragen, sollten wir bedenken, was wir tun könnten oder müssten. Deshalb müssen wir auf Christus schauen. Er litt und stand angesichts des Leids Ängste aus, und versteht also unsere Bedrängnis und Angst. Zugleich lässt er uns verstehen, dass die Liebe auf das eigene Leid vergessen und Leiden für die anderen auf sich nehmen lässt, sich mit ihnen solidarisiert, um mitzuhelfen, dass es in der Welt weniger Leid gibt, indem man gewaltlos seine Ursachen bekämpft. Mit seiner Auferstehung hat er uns eine Hoffnung eingegossen, die uns hilft, alle Schwierigkeiten anzugehen und die Kreuze dieses Lebens anzunehmen, wohl wissend, dass der Sieg über das Böse, das Leid und den Tod bereits errungen ist.

Camilo Maccise.